„Die Trumpfkarten „Fachkräfte“ und „Energiesicherheit“ müssen wir nun angesichts des demografischen Wandels und der Energiewende ganz besonders hüten“, so DIHK Präsident Driftmann zu den bundesweiten Befragungsergebnissen. Denn gerade auf diesen Feldern sähen die Unternehmen inzwischen den stärksten Handlungsdruck. Das belegen auch die Antworten der befragten Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleister aus der Region.
Unsere Industriebetriebe schätzen zwar die Qualität der Fachkräfte, zugleich werden es aber leider immer weniger. Die Verfügbarkeit von geeigneten Fachkräften bewerten die Befragten deshalb deutlich zurückhaltender als ihre Qualität. Zur Fachkräftesicherung ergreifen die regionalen Branchenvertreter selbst bereits eine Vielzahl von Maßnahmen. Durch eine verstärkte Qualifizierung ihrer Mitarbeiter und Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeigen sie sich als attraktive Arbeitgeber. Ihren Nachwuchs sichern sie sich bereits frühzeitig – insbesondere durch verstärkte Werbung um Auszubildende. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und immer älter werdenden Belegschaften stehen Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung bei den Industriebetrieben hoch im Kurs.
Während die Unternehmen die Energiesicherheit vergleichsweise gut bewerten, entwickelt sich die Höhe der Energiekosten zunehmend zu einem Standortnachteil. Die Industrieunternehmen brauchen eine verlässliche Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen, andernfalls haben sie einseitige Nachteile am Standort Deutschland. Sie fordern von der Politik die Senkung staatlicher Zusatzlasten auf Energiepreise und appellieren die Energie- und Rohstoffforschung zu stärken.Aufgrund steigender Beschaffungskosten für Rohstoffe haben viele schon mit Preiserhöhungen reagiert.
Zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit fahren die regionalen Industrieunternehmen mehrgleisig. Betriebsintern heben sie Potenziale – von der Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz bis zur Entwicklung neuer Dienstleistungen. Sie erschließen neue Absatzregionen und stärken ihre Präsenz auf den Weltmärkten.
Nach Branchenmeinung sollte die Politik – in Anbetracht der angespannten Haushaltslage – in erster Linie auf eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte hinwirken. Den Arbeitsmarkt und die Fachkräftesituation betreffend fordern die Industrieunternehmen von den Verantwortlichen in Berlin die Vereinfachung des Arbeitszeitrechts und die Lockerung der Befristungsregeln. Außerdem sehen sie in der Lockerung des Kündigungsschutzes und der Senkung der Lohnnebenkosten notwendige Maßnahmen um am Standort Deutschland langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Bei Fragen zur Unternehmensfinanzierung spricht sich die Mehrheit der Industriebetriebe für die Vereinfachung der Beantragung und damit eine Erleichterung des Zugangs zu Förderprogrammen aus. Weiterhin werden Absicherungsmöglichkeiten von Rohstoff- und Währungsgeschäften gefordert.
Unter dem Strich stellt die regionale Industrie der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung ein befriedigendes Zeugnis aus. Am schlechtesten kommt bei den Unternehmen das Steuerrecht weg – insbesondere dessen Komplexität und fehlende Praxistauglichkeit.