IHK-Grundschulcheck veröffentlicht - Eltern wünschen Betreuung auch nach 17 Uhr und in den Ferien

02.09.2011

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird gerade in Zeiten des demografischen Wandels zu einer immer zentraleren Herausforderung für Unternehmen und Standorte. Für Mitarbeiter haben familienbewusste Arbeitsbedingungen einen hohen Stellenwert bei der Auswahl ihres Arbeitgebers. Zudem profitieren familienfreundliche Unternehmen von geringeren krankheitsbedingten Ausfällen, einer geringeren Fluktuation und einer höheren Motivation ihrer Mitarbeiter.

Die Industrie- und Handelskammer zu Coburg hat sich an der bundesweiten Befragung von Grundschulen zur Nachmittagsbetreuung beteiligt, um sich ein Bild über die Betreuungsstruktur an den Grundschulen in Stadt und Landkreis Coburg zu machen. An der Umfrage nahmen 19 der 26 Grundschulen der Region teil. Dies entspricht einem Rücklauf von rund 73 Prozent und ist somit repräsentativ. Die Bestandsaufnahme soll den Verantwortlichen in den Kommunen aufzeigen, ob bzw. in welchen Bereichen noch Handlungsbedarf besteht.

Die IHK zu Coburg sieht in einem guten Kinderbetreuungsangebot bis zum Ende der Schulpflicht angesichts des demographiebedingten Fachkräftemangels einen unverzichtbaren Standortfaktor für Unternehmen wie für Beschäftigte. 

Den Umfrageergebnissen zur Folge bieten alle regionalen Grundschulen eine Nachmittagsbetreuung in Eigenregie oder in Kooperation mit lokalen Trägern an, in Bayern sind es im Durchschnitt 92 Prozent. An fast allen regionalen Grundschulen (95 %) ist die Nachmittagsbetreuung an fünf Tagen in der Woche gewährleistet. Durchwegs ist eine Betreuungszeit bis max. 17 Uhr gegeben. Damit nimmt die Region Coburg bayern- sowie bundesweit (87 Prozent) eine Spitzenposition ein.

Für berufstätige Eltern hingegen, die länger arbeiten müssen, ist die Situation deutlich schlechter. Derzeit bietet noch keine der befragten Grundschulen eine Betreuungsmöglichkeit der Kinder nach 17 Uhr an. Allerdings berichten über die Hälfte der befragten Schulen, dass es eine deutliche Nachfrage (53 %) nach längeren Betreuungszeiten am Nachmittag gibt. Das stellt Eltern, und auch Betriebe nicht selten vor eine große Herausforderung.

Doch spielt nicht nur die Länge der Betreuungszeiten sondern auch deren flexible Gestaltung für berufstätige Eltern eine wesentliche Rolle.
Im Hinblick auf individuelle Buchungszeiten geben die Grundschulen in Stadt und Landkreis Coburg ein erfreuliches Bild ab. An knapp 90 % der Grundschulen können Eltern die Tage der Nachmittagsbetreuung individuell wählen und abrechnen.

Zwar bieten alle regionalen Grundschulen eine Nachmittagsbetreuung an, doch zeigt die Studie, dass der tatsächliche Betreuungsbedarf deutlich höher liegt. So registrieren mehr als die Hälfte der Schulen (53 %) einen höheren Bedarf nach mehr Betreuungsplätzen. Bedauerlicherweise gibt es bisher nur an einer Grundschule entsprechende Ausbaupläne.

Verschärft wird das Betreuungsproblem in den Ferien. Nur 17 % der Einrichtungen bieten Betreuungsmöglichkeiten für die Schulkinder während der gesamten Ferien an, rund 78 Prozent bieten immerhin zeitweise Betreuung an. Damit hinkt die Region noch hinter dem Bundesergebnis von 22 % zurück.

Sehr erfreulich ist das umfangreiche Leistungsangebot der regionalen Grundschulen während der Betreuungszeiten. So bieten alle Einrichtungen ein warmes Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung an. An allen Schulen ist die Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte, sprich Lehrpersonal oder ausgebildete Erzieherinnen bzw. Erzieher, gewährleistet. Knapp 90 % der Schulen haben Sport- oder Musik im Angebot und 63 % bieten Kurse zur Sprachförderung an.

Einen wichtigen Erfolgsfaktor im Hinblick auf die Verbesserung der Betreuungssituation von Schulkindern in der Region sieht die IHK in der Kooperation von Schulen mit regionalen Unternehmen. Hier gibt es noch enormes Potenzial.

„Es ist für uns erstaunlich, dass bisher nur eine Schule Kooperationen mit Unternehmen im Bereich Sponsoring und in Sachen Notfallbetreuung nutzt, sagt IHK-Bereichsleiter Rainer Kissing. „Allerdings kooperieren immerhin 10 Schulen (56 %) mit Unternehmen bei der Organisation von Freizeit- und Bildungsangeboten.“

Die IHK zu Coburg hält regelmäßige Bedarfsanalysen an allen Grundschulen zu Umfang und Dauer der gewünschten Betreuung für durchaus sinnvoll. Dabei ist vor allem die Orientierung am Bedarf berufstätiger Eltern ein wichtiger Faktor. Die politischen Entscheidungsträger sind aus Sicht der IHK gefordert, die Bedürfnisse aufzugreifen und entsprechende Betreuungsangebote bereit zu stellen.

„Wichtig ist“, betont Kissing, „dass alle Verantwortlichen vor Ort an einem Strang ziehen und lösungsorientierte Kooperationen mit Kommunen, Schulen, Horten, Vereinen und Unternehmen zustande kommen.“

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