Bundeswirtschaftsminister Brüderle sagt im neuen Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung andauerndes und robustes Wachstum für Deutschland voraus.
Die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK zu Coburg unterstreichen Brüderles Einschätzung. „Die Stimmung in unseren Unternehmen hat sich seit der letzten Umfrage im Herbst 2010 weiter verbessert. Das zeigen die Antworten von 163 IHK-Unternehmen aus Stadt und Landkreis Coburg, die sich an der Umfrage beteiligt haben. „Ein Ergebnis, das uns zwar nicht euphorisch, aber doch zuversichtlich auf das noch junge Jahr 2011 blicken lässt“, so IHK-Präsident Friedrich Herdan.
Der Konjunkturklimaindex ist von 123 Punkten im Herbst 2010 um 11 Zähler auf 134 Punkte gestiegen. Dieser Aufwärtstrend ist der positiven Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und der optimistischen Geschäftserwartungen im Jahresverlauf geschuldet.
Knapp 50 % der befragten Unternehmen zeigen sich mit dem gegenwärtigen Geschäftsklima zufrieden. Und auch den Geschäften in den Folgemonaten sehen die meisten Unternehmen zuversichtlich entgegen. Noch im vergangenen Herbst zeigte sich die regionale Wirtschaft verhalten mit Blick auf die Zukunft. Diese Skepsis ist erfreulicherweise einer nahezu uneingeschränkt positiven Zukunftssicht gewichen. Lediglich 8 % aller Unternehmen rechnen mit rückläufigen Geschäften im ersten Quartal.
Deutschland und auch die regionale Wirtschaft, insbesondere die Industrieunternehmen im IHK Bezirk Coburg, die sehr stark exportorientiert sind – die Exportquote im Verarbeitenden Gewerbe in Stadt und Landkreis Coburg liegt bei rund 40 % - profitieren von der wieder erstarkten Weltwirtschaft. Im Jahr 2010 betrug das Weltwirtschaftswachstum fast 5 %. Besonders der Export nach China legt stark zu.
„Die kräftezehrende Aufholjagd der vergangenen Monate hat sich für viele Unternehmen ausgezahlt. Einige Betriebe werden im Jahresverlauf bei Umsatz und Ertrag wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben“, so Herdan erfreut. Gegenwärtig beurteilt fast die Hälfte der befragten Industrieunternehmen ihre Geschäftslage als gut. Verschwindende 4 % der befragten Branchenvertreter berichten aktuell von schlechten Geschäften.
Der Konjunkturaufschwung äußert sich in einer verbesserten Ertragslage sowie einer höheren Auslastung der Produktionskapazitäten. 36 % der Industriebetriebe berichten von voll ausgelasteten Fertigungskapazitäten, das sind 8 % mehr als noch im vergangenen Herbst.
Das anhaltende Wachstum lässt einige Industriebetriebe derzeit an ihre personellen Kapazitätsgrenzen stoßen. Es werden demzufolge einerseits mehr Leiharbeiter eingesetzt, andererseits planen 18 % der befragten Betriebe in den Folgemonaten die Belegschaft aufzustocken.
Die regionale Vorleistungsgüterindustrie, insbesondere die regionalen Automobilzulieferbetriebe, zählen zu den Gewinnern im Konjunkturrennen. Über die Hälfte der befragten Unternehmen verzeichnet gegenwärtig eine gute Geschäftslage. Das sind 14 % mehr als noch im Herbst 2010. Rund 80 % der befragten Betriebe konnten ihre Erträge seit Herbst 2010 steigern bzw. auf gleichem Niveau halten. Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten zeigt sich die Branche optimistisch.
Auch der Maschinenbau holt weiter auf. Kein Unternehmen zeigt sich unzufrieden mit der aktuellen Geschäftslage. 40 % der befragten Maschinenbauer berichten von guten Geschäften, die restlichen Branchenvertreter von einer befriedigenden Geschäftslage. 80 % der befragten Betriebe berichten von einem gestiegenen Auftragsvolumen seit der letzten Konjunkturerhebung. Im Jahresverlauf erwartet der regionale Maschinenbau vorübergehend wieder eine Abschwächung der gegenwärtigen Wachstumsdynamik. Wachstumshemmend auf die Branchenperformance könnte sich der steigende Kostendruck auswirken.
Größere Schwierigkeiten bereitet den Industrieunternehmen gegenwärtig die Rohstoffbeschaffung. Vor allem die steigenden Rohstoffpreise belasten die Kostenseite der Unternehmen. Der Ressourcenhunger schnell wachsender Schwellenländer, schlechte Ernten bei regenerativen Rohstoffen und Angebotsverknappungen durch Länder mit Ressourcen-Vorkommen treiben die Rohstoffpreise nach oben. Infolge plant die Hälfte der befragten Industrieunternehmen im Jahresverlauf die Verkaufspreise zu erhöhen. (Vorperiode: 33 %)
Die positive Konjunktur in der Dienstleistungsbranche hält an. Auch zu Jahresbeginn 2011 erfreuen sich rund zwei Drittel der befragten Branchenvertreter guter Geschäfte. Der Umsatz ist bei über der Hälfte der Dienstleister seit Herbst 2010 weiter gestiegen.
Die beste Performance in der Dienstleistungsbranche – und das zurückblickend schon seit einigen Umfragen – verzeichnet der Finanz- und Versicherungssektor. Der Branchenumsatz ist seit Herbst 2010 bei 75 % der befragten Unternehmen gestiegen. Kein Vertreter verzeichnet Umsatzrückgänge. Alle Befragten berichten von Vollauslastung in den vergangenen sechs Monaten.
Vom Wachstum profitiert auch der Handel in der Region. Aufgrund der Zunahme der Beschäftigung und Einkommen erhalten die privaten Konsumausgaben Auftrieb.
Die Beurteilung der Geschäftslage fällt bei den Händlern deutlich positiver aus als noch im vergangenen Herbst. Während damals 46 % der befragten Branchenvertreter von guten Geschäften berichteten, sind es gegenwärtig rund 53 %. Lediglich 3 % zeigen sich mit der aktuellen Geschäftslage unzufrieden.
Noch besser als in der Gesamtbranche ist die Lage im regionalen Einzelhandel. Kein Unternehmen berichtet hier von schlechten Geschäften. Alle Einzelhändler berichten von gestiegenen oder konstanten Umsätzen. Grund für gute Stimmung im Einzelhandel ist mitunter das glänzende Weihnachtsgeschäft 2010.
Im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung im Jahresverlauf zeigen sich die Einzelhändler optimistisch. Die Hälfte rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage. Deshalb planen rund 19 % der Branchenvertreter in den Folgemonaten Personal einzustellen.
Der Großhandel im IHK-Bezirk zeigt seit vergangenem Herbst ein nahezu unverändertes Bild. Die Lage ist bei 54 % der befragten Großhandelsunternehmen gut, nur 7% der Befragten zeigt sich mit den aktuellen Geschäften unzufrieden. Allerdings entwickelt sich auch in dieser Branche die Kostensituation zunehmend nachteilig. 60 % der Großhändler geben an, dass die Kosten zur Beschaffung von Betriebsmitteln gestiegen sind, weshalb u.a. in Folge 91 % der Branchenvertreter im Jahresverlauf die Preise erhöhen werden.
Das Geschäftsklima in der regionalen Tourismuswirtschaft hat sich im Frühjahr 2011, gegenüber den Einschätzungen aus dem Herbst 2010 nur unwesentlich verändert. Damit setzt sich die Erholung in der Tourismusbranche in Stadt und Landkreis Coburg nicht im Gleichschritt mit der Gesamtwirtschaft fort. Wachstumshemmend wirken die gestiegenen Gesamtkosten, insbesondere die Ausgaben für Energie und Personal.
Dank der positiven Konsumlaune zeigen sich die regionalen Touristiker allerdings mit Blick auf die nächsten Monate optimistisch. Die Unternehmen erwarten höhere Gäste- und Umsatzzahlen. Diese wirken sich positiv auf die Beschäftigungs- und Investitionsabsichten der Tourismusbetriebe aus.
„Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass das Rohstoffproblem branchenübergreifend einen hohen Handlungsdruck bei den regionalen Unternehmen erzeugt. Insbesondere die Industrieunternehmen setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, um ihre Rohstoffversorgung abzusichern. Die nationale wie auch die regionale Wirtschaft braucht jetzt von politischer Seite flankierende Maßnahmen in der Rohstoffpolitik. Die Politik sollte sich dabei hauptsächlich auf zwei Felder konzentrieren: die handelspolitische Absicherung des Rohstoffbezugs sowie die Unterstützung von Forschung und Entwicklung im Rohstoffbereich. Ich appelliere an die Politik mit vollem Engagement darauf hinzuwirken, den Kostendruck der Unternehmen zu reduzieren und damit eine wesentliche Wachstumsbremse zu lösen, so IHK-Präsident Herdan abschließend.