Bilanz zum Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs im IHK-Bezirk Coburg

27.09.2011

Vor dem Hintergrund eines deutlichen Bewerberüberhanges haben Bundesregierung und Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft im Jahr 2004 den sogenannten Ausbildungspakt geschlossen. Ziel war und ist es auch heute noch, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot auf Ausbildung zu unterbreiten.

I. Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland

Die getroffenen Paktzusagen und –verpflichtungen konnten seit Bestehen des Paktes dank des großen Engagements der Ausbildungsbetriebe und der Paktpartner kontinuierlich eingehalten und zum Teil deutlich übertroffen werden. Auch im IHK Bezirk Coburg hat sich die Ausbildungssituation seit Bestehen des Ausbildungspaktes, u.a. dank der Intensivierung der Einwerbe- und Vermittlungsaktivitäten der Industrie- und Handelskammer zu Coburg deutlich verbessert. Seit 2004 hat sich der Bestand an abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen von 1.987 auf aktuell 2.244 erhöht, was einem Plus von 13 Prozent während der Laufzeit des Ausbildungspaktes entspricht.

Inzwischen haben sich die Vorzeichen auf dem Ausbildungsmarkt deutlich gewandelt. Die Zahl der Schulabgänger und damit auch die Zahl der potentiellen Bewerber gehen kontinuierlich zurück.

Wurden 2004 noch 1.451 Bewerber verzeichnet, so waren es 2011 nur noch 1.070. In diesem Jahr liegt – unter Berücksichtigungder Zahl der nicht vermittelbaren Jugendlichen – die Anzahl der Schulabgänger hinter der Summe der freien Ausbildungsplätze zurück.

Im Jahr 2010 haben die Paktpartner, u.a. die Bundesregierung, die Wirtschaftskammern, die Kultusministerkonferenz und die Arbeitgeberverbände deshalb neue Akzente bei der Fortführung des Ausbildungspaktes gesetzt. Im Vordergrund stehen nunmehr, die Verbesserung der Ausbildungsreife, die Förderung leistungsschwächerer Jugendlicher, die stärkere Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und die intensivere Akquisition leistungsstarker Jugendlicher für eine betriebliche Berufsausbildung. Das erhöht nicht nur die Chance zur Lebensgestaltung für die Jugendlichen, sondern hilft angesichts der demografischen Entwicklung insbesondere auch den Unternehmen. Die Paktpartner wollen dabei insgesamt die Stärke der dualen Ausbildung weiter nutzen, um die Innovationskraft unserer Wirtschaft zu sichern.

Die Herausforderungen liegen in Zukunft vor allem darin:

1. die Ausbildungsreife der Jugendlichen, z. B. durch spezifische Qualifizierungsmaßnahmen, sicherzustellen.

2. die Berufsorientierung auszubauen und weiterzuentwickeln. Dementsprechend sind Netzwerke wie z. B. Schule – Wirtschaft auszubauen.

3. Jugendliche und Betriebe besser zusammenzubringen. Hierzu bieten wir spezifische Lehrstellenbörsen und Kompetenzchecks an.

4. alle Potenziale für die Fachkräftesicherung zu erschließen, indem beispielsweise sozial benachteiligte und lernbeeinträchtigte Jugendliche und solche mit Migrationshintergrund besonders gefördert werden.

Die jährlich in der IHK stattfindende Nachvermittlungsaktion ist ebenfalls in der Reihe der Paktaktivitäten der IHK einzuordnen. Bis dato unversorgten Jugendlichen aus dem Arbeitsamtbezirk Coburg wird die Chance eingeräumt an einen Ausbildungsbetrieb vermittelt zu werden.

Zur IHK-Nachvermittlungsaktion sind 40 Jugendliche eingeladen, die von Experten der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammer für Oberfranken und der IHK zu Coburg beraten werden.

Ihnen werden Bewerbungsvorschläge für Ausbildungsplätze unterbreitet. Dazu wurden im Vorfeld die noch freien Ausbildungsstellen bei denMitgliedsunternehmen abgefragt.

Ebenfalls optimiert werden die von den Jugendlichen mitgebrachten Bewerbungsunterlagen. Die IHK zu Coburg ist aufgrund der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt optimistisch die noch unversorgten Bewerber vermitteln zu können.

II. Ausbildungssituation im IHK-Bezirk Coburg

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2011 sind im IHK-Bezirk Coburg 806 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse registriert. Dies entspricht in Stadt und Landkreis Coburg einem Plus von rund 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Auszubildenden im Monat September ist dabei so hoch wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Die Chance einen Ausbildungsplatz zu bekommen war in diesem Jahr, obwohl die Wehrpflicht ausgesetzt ist und infolge doppelter Abiturjahrgänge mehr Jugendliche als im letzten Jahr dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen, außerordentlich gut. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Altbewerber. Insgesamt 1.036 gemeldete Ausbildungsplätze standen 1.070 Bewerbern zur Auswahl. Damit ist, zumindest auf dem Papier, das Verhältnis von Ausbildungsplätzen und Bewerbern ausgeglichen.

Tatsächlich aber haben Unternehmen große Schwierigkeiten Ausbildungsplätze in der Gastronomie, als Fachlagerist oder als Polsterer zu besetzen. Gleichzeitig kommen noch doppelt so viele. Bewerber auf die gemeldeten Stellen im kaufmännischen Bereich.

III. Aktivitäten der IHK zu Coburg zur Verbesserung der Ausbildungsplatzsituation

Im Hinblick auf den demografischen Wandel und den zunehmenden Rückgang der Bewerberzahl in gewerblich-technischen und kaufmännischen Ausbildungsberufen gewinnen neue Aufgabenstellungen für die IHK zu Coburg zunehmend an Bedeutung.

1. Zur Nachqualifizierung von Jugendlichen haben wir das Konzept für eine sogenannte Sommerakademie für Schüler konzipiert. Ziel ist es hierbei, die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger zu verbessern indem Seminare zum Thema „Lernen lernen“, Grundlagen der Mathematik und Deutsch angeboten werden.

2. Weiterhin fördern wir die passgenaue Vermittlung von Jugendlichen durch die Fortführung der Kompetenzchecks von Schülerinnen und Schülern. Im Jahr 2011 wurden von den IHK- Ausbildungsberatern bereits 50 Kompetenzchecks durchgeführt. Hier erhalten die Jugendlichen eine Stärkenanalyse und Vorschläge für Berufsfelder, in denen sie erfolgreich eine Ausbildung absolvieren können. Die Jugendlichen konnten sich in Kenntnis Ihrer Stärken gezielter bewerben.

3. Außerdem unterstützen wir Unternehmen bei ihrem Ausbildungsmarketing. So wird erstmals in diesem Jahr ein sogenannter Polsterday durchgeführt. Mit dieser Ausbildungsinitiative wollen die oberfränkischen Polstermöbelhersteller für den Beruf des Polsterers und der Näherin werben.

Während der Partnertage am 06. und 07. Oktober 2011 öffnen die Unternehmen ihre Türen und ermöglichen interessierten Jugendlichen einen Blick hinter die Kulissen.

4. Zur Verbesserung der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die duale Ausbildung treten unsere Ausbildungsberater in den Moscheen in der Region direkt mit den ausländischen Jugendlichen und ihren Familien in Kontakt.

5. Mit gewohnt großem Engagement bemüht sich die IHK zu Coburg auch künftig um die Akquisition neuer Ausbildungsplätze und neuer Ausbildungsbetriebe.

6. Bei den Jugendlichen wollen wir gezielt die Begeisterung für die MINT-Berufe (Berufe aus dem Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) wecken.

Dazu möchten wir Ihr Interesse auf die Internet-Plattform Tecnopedia lenken. Tecnopedia ist eine Mitmach-Plattform der IHKs für Unternehmer, für Schüler, Lehrer und Eltern, für Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Bereich der Förderung von Mathematik, Informationstechnologie, Naturwissenschaft und Technik.

Interessierte Schüler und Lehrer haben die Möglichkeit im technisch-naturwissenschaftlichen Angebot der Unternehmen, Forschungsinstitutionen und Hochschulen der Region Unterrichtsmaterialien und Experimente zu finden.

IV. Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Ausbildungspakt ist für alle Beteiligten ein Erfolg. Aber nicht nur die IHK ist zum Handeln aufgefordert, auch die Bewerber müssen sich künftig weiterhin flexibel zeigen und dürfen sich nicht nur auf einen Berufswunsch fixieren. Darüber hinaus sollten auch die Ausbildungsbetriebe in ihrem Ausbildungsengagement zur Nachwuchssicherung nicht nachlassen. In einigen Branchen empfiehlt es sich, über den Bedarf auszubilden, um den Fachkräftebedarf auch in Zukunft sichern zu können.

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