Dynamik der regionalen Wirtschaft lässt nach

30.09.2011

Während sich die aktuelle Stimmungslage in der Wirtschaft in Stadt und Landkreis Coburg auf hohem Niveau stabilisiert hat, haben sich die Erwartungen an die Geschäfte im Jahresverlauf leicht eingetrübt. Diesen Schluss zieht die Industrie- und Handelskammer zu Coburg aus den Ergebnissen der aktuellen Herbstkonjunkturumfrage. 161 Unternehmen (Rücklaufquote: 40%) aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung haben sich an der Befragung beteiligt.

Nach dem rasanten Aufholprozess seit dem vergangenen Jahr schwenkt die Konjunktur auf ein etwas gemächlicheres Tempo ein", kommentierte IHK-Präsident Friedrich Herdan die Umfrageergebnisse. Der Konjunkturklimaindikator rangiert trotz verbesserter Lagebe-urteilung bei gleichzeitig jedoch leicht verhaltenen Zukunftsaussichten unverändert bei einem Wert von 135.

Die aktuelle Geschäftslage wird von 60% aller befragten Betriebe als gut beurteilt, mit einer weiteren Verbesserung im Jahresverlauf rechnen allerdings nur noch 25% (Vorperiode: 32%). Definitiv unzufrieden mit der aktuellen Lage ihrer Geschäfte sind lediglich 4%.

„Daran wird deutlich, dass wir wieder auf dem Vorkrisenniveau von 2007 liegen. Angesichts der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten ist es dagegen wenig überraschend, dass sich die Erwartungen an die weitere Entwicklung leicht abgeschwächt haben", betont Herdan.

Als größte Risiken werden von den Unternehmen die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise (62,8%), der Inlandsnachfrage (47,3%) und die politischen Rahmenbedingungen gesehen (45%).

41,3 % der Befragten haben aktuell Schwierigkeiten geeignete Fachkräfte für offene Stellen zu finden. Besonders erfreulich zeigt sich die regionale Beschäftigungssituation. 14% der Unternehmen wollen Personal aufstocken, nur 8% Beschäftigte abbauen.

Industrie – gesamt

95% der Industrieunternehmen bewerten ihre momentane Geschäftslage mit "gut" oder "befriedigend", unzufrieden mit dem Verlauf ihrer Geschäfte sind nur fünf Prozent.

Die positive Stimmung wird allerdings durch rückläufige Aufträge getrübt. Das Auftragsvolumen aus dem Inland ist seit Frühsommer bei 26% gesunken. 27% berichten von rückläufigen Auslandsaufträgen.

Positiv sind die Angaben zur gegenwärtigen Produktionsauslastung. Lediglich 9% der befragten Unternehmen berichten von unzureichender Kapazitätsauslastung.

Zur Treibfeder der Wirtschaft in Stadt und Landkreis Coburg hat sich die Investitionstätigkeit der Unternehmen entwickelt. 42 % der Industriebetriebe planen in den Folgemonaten mehr zu investieren (Vorperiode: 32%). Für 74% der Unternehmen ist die Ersatzbeschaffung das Hauptmotiv für Investitionen.

Zuversichtlich zeigen sich die Industrieunternehmen auch im Hinblick auf die Personalplanung: 12% der Unternehmen wollen Personal aufstocken, nur 8% die Belegschaft reduzieren.

Hinsichtlich der künftigen Geschäftserwartungen rechnen noch 20% der Industrieunternehmen mit verbesserten Geschäften im Jahresverlauf (Vorperiode: 27%), 11% gehen von Verschlechterung der Geschäftslage aus.

Dreiviertel aller Industrieunternehmen rechnen mit weiter steigenden Kosten in den Folgemonaten. Das größte Risiko für die Geschäftsentwicklung wird in den Energie- und Rohstoffpreisen gesehen.

Automobilzulieferer

Die aktuelle Lage bei den regionalen Automobilzulieferbetrieben ist gleichbleibend positiv. Über die Hälfte der Unternehmen berichten von guten Geschäften. Gespräche mit Branchenvertretern auf der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt bestätigen das Bild.

Allerdings sind bei 30% die Auftragsvolumina zurückgegangen. (Vorperiode 4%)

Wie auch in den anderen Industriesparten gibt den Automobilzulieferern die Kostensituation Anlass zu Bedenken. Besonders die Materialkosten schlagen negativ zu Buche.

Im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung bis zum Jahresende zeigen sich die Automobilzulieferer zurückhaltender als noch zur Frühsommerumfrage. 13% rechnen gar mit einer negativen Geschäftsentwicklung.

Die Investitionsfreudigkeit der Branche hält aber weiter an. 46% wollen in den Folgemonaten ihre Investitionsbudgets aufstocken. Als Hauptmotive für Investitionen werden mehrheitlich Rationalisierungsmaßnahmen und Ersatzinvestitionen genannt.

Die Beschäftigungssituation hat sich leicht rückläufig entwickelt. 13% der Unternehmen planen einen Abbau der Belegschaft. (Vorperiode: 8%)

Maschinenbau

Die aktuelle Geschäftslage im Maschinenbau ist gut. 71 % der befragten Branchenvertreter sind mit den Geschäften zufrieden, lediglich 14 % zeigen sich unzufrieden.

Auch der gegenwärtige Auftragsbestand wird meist positiv bewertet. Bei 43% der Betriebe ist das Auftragsvolumen seit Frühsommer weiter gestiegen, bei nur 14% der Maschinenbauer sind im Vergleichszeitraum die Aufträge zurückgegangen.

Positiv bemerkt sei, dass die Ertragslage von 57% der Unternehmen besser bewertet wird als noch im Frühsommer.

Aber auch die befragten Maschinenbauer in der Region blicken inzwischen weniger optimistisch in die Zukunft. Sie gehen von rückläufigen Geschäften im Jahresverlauf aus.

Die Kosten sind bei allen Befragten in den vergangenen Monaten gestiegen, am deutlichsten bei Personal und Material. (86%)

Mit Neueinstellungen im Jahresverlauf rechnen nur noch 17% der Unternehmen. (Vorperiode: 37%)

Polstermöbelhersteller

Die regionalen Polstermöbelhersteller beurteilen ihre Geschäftslage ähnlich wie noch im Frühsommer. Die Hälfte der Branchenvertreter berichtet von positiven Geschäften, nur 10% zeigen sich mit den Umsätzen unzufrieden.

Allerdings verzeichnen 80% der befragten Unternehmen rückläufige Auftragseingänge. Grund ist die bei 70% gesunkene Inlandsnachfrage.

Das Weihnachtsgeschäft vor Augen stimmt die Möbler optimistischer. 22% rechnen mit besseren Geschäften im letzten Quartal. Die restlichen Branchenvertreter gehen von gleichbleibenden Geschäften aus.

Kein Unternehmen rechnet derzeit mit weiterem Stellenabbau. 90% gehen von einer konstanten Beschäftigtenzahl aus, 10% planen im Jahresverlauf Personal einzustellen.

Handel

Die Stimmungslage im regionalen Handel hat sich seit Frühsommer erfreulich verbessert.

Der Großhandel ist dabei deutlich positiver gestimmt als der Einzelhandel. Während die aktuelle Geschäftslage von 71% der Großhändler positiv beurteilt wird, bewerten 55% der Einzelhändler ihre Lage als "gut". Auch im Hinblick auf die Erwartungen zeigen sich Unterschiede zwischen Groß- und Einzelhandel. Während 47% der Großhändler mit besseren Geschäften in den Folgemonaten rechnen, sind es unter den Einzelhändlern nur 9%.

Nur noch 10 % gehen von einer Zunahme der Beschäftigtenzahl aus (Vorperiode: 29%), 20% wollen gar Personal abbauen.

Dienstleister

Die aktuelle Geschäftslage beurteilen 97% der befragten Dienstleister als "gut" bis "befriedigend" und nur drei Prozent als "schlecht". Diese positive Stimmung wird sich auch in den kommenden Monaten weiter fortsetzen: 90% gehen von einer nochmals verbesserten oder gleichbleibenden Geschäftslage aus, nur 10% von einer Verschlechterung.

Dementsprechend bleiben auch die Beschäftigungsaussichten im Dienstleistungssektor rosig. So wollen 31% weitere Mitarbeiter einstellen und nur 7% Personal reduzieren.

Innerhalb der Branche hat sich die Lage bei den regionalen Finanz- und Versicherungsdienstleister aber seit Frühsommer erstmals leicht eingetrübt. Zeigten sich damals noch 71% mit den Geschäften zufrieden, ist es heute nur noch die Hälfte der Unternehmen im Finanz- und Versicherungssektor. Erfreulicherweise berichtet kein Unternehmen von merklich schlechten Geschäften.

Tourismus

Das Geschäftsklima in der regionalen Tourismusbranche hat sich in den Sommermonaten weiter verbessert. Knapp 60% der befragten Touristiker berichten von guten Geschäften. (Vorperiode: 41%) Erfreuliche 43 % verzeichnen gestiegene Umsätze. 46% der Branchenvertreter sind derzeit voll ausgelastet. Das ist ein Plus von fast 20% im Vergleich zum Frühsommer.

Die Erwartungen der Branche für die kommenden Monate sind von Optimismus geprägt.

Die Betriebe erwarten bei den Urlaubs- wie auch bei den Geschäftsreisenden gleichbleibende Umsätze. Der stabile Arbeitsmarkt erweist sich hierfür als Stütze.

Nur 3 % der Unternehmen gehen von rückläufigen Geschäften bis Jahresende aus.

Herdans Fazit zur aktuellen Konjunkturbefragung :

"Der Aufschwung, den die regionale Wirtschaft im ersten Halbjahr erlebt hat, kühlt sich zwar leicht ab, aber Zeichen für ein Ende des Wachstums oder gar eine bevorstehende Rezession, wie in jüngsten Medienberichten häufig prophezeit wird, können wir aus den Umfrageergebnissen nicht ableiten", unterstrich Herdan.

Wichtig sei auch, dass die Unsicherheit der Bevölkerung nicht weiter geschürt werde. Wirtschaft sei zu 50% Psychologie. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass die wirtschaftliche Entwicklung unsicher ist, dann halten sie sich mit größeren Ausgaben zurück, erklärt Herdan die schwächere Entwicklung der deutschen Wirtschaft im weiteren Verlauf.

„Grundsätzlich besteht gegenwärtig kein Grund zur Sorge. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin erfreulich gut. Konjunkturrisiken scheinen auf dem Arbeitsmarkt, der mit Verzögerungen auf die wirtschaftliche Entwicklung reagiert, noch keine Wirkungen zu hinterlassen. Und auch auf die Exportstärke der regionalen Unternehmen können wir uns weiter verlassen.“

IHK Jahresthema 2012: Energie und Rohstoffe für morgen
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