Um national und international konkurrenzfähig zu bleiben, seien die regionalen Unternehmen auf eine tragfähige Verkehrsinfrastruktur angewiesen. Während seit der Fertigstellung der Autobahn A 73 eine Anbindung an das Bundesautobahnnetz besteht, seien der Landkreis und das Oberzentrum Coburg in Sachen Schienenverkehrsinfrastruktur sowohl in Richtung Südthüringen als auch in Ost-West-Richtung noch immer unzureichend vernetzt.
Insofern fordert die Region einhellig, den geplanten Fertigstellungstermin für die ICE-Neubaustrecke Nürnberg – Erfurt (VDE 8.1) im Jahr 2017 einzuhalten und den Hauptbahnhof Coburg als ICE-Systemhalt regelmäßig in den Fahrplan einzubinden.
Mit dieser systematischen Anbindung habe die Region die einzigartige Chance, Wachstumsschub zu erreichen, betont Herdan.
Doch aktuellen Planungen zufolge ist an der geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Berlin und München in vier Stunden verbinden soll, lediglich in Erfurt, Bamberg und Nürnberg ein Halt im Stundentakt vorgesehen. Die Fahrgäste aus Coburg und dem Raum Südthüringen würden von der Reisezeitverkürzung wenig profitieren.
„Die positive Wirkung dieser Infrastruktur kann für unsere Region nur dann generiert werden, so Herdan nachdrücklich, wenn Coburg als ICE-Systemhalt mindestens alle zwei Stunden angefahren wird.“
Es sei bekannt, dass sich die Häufigkeit eines ICE-Halts nach dem Fahrgastaufkommen richte. Eine durchgängige Schienenverbindung nach Südthüringen könnte zum einen Fahrgastpotenzial aus den Gemeinden südlich des Rennsteigs für den Bahnhof Coburg erschließen und somit den ICE-Systemhalt in Coburg für die Bahn wirtschaftlich rentabel gestalten. Den Fahrgästen aus dem Südthüringer Raum wird dadurch auf schnellem Weg Anschluss an das bundesweite ICE Netz und damit in die Metropolregionen Nürnberg und München ermöglicht. Durch den Lückenschluss ergeben sich auch erhebliche Potentiale im Nahverkehr. Zu den Berufspendlerströmen von Südthüringen nach Coburg addieren sich noch die Reisenden des Fremdenverkehrs.
Der Schienenlückenschluss wäre darüber hinaus nicht nur für den Personenverkehr, sondern auch für den Güterverkehr zwischen Coburg und Südthüringen einerseits und Mittel- und Norddeutschland andererseits interessant. Es gibt ein erhebliches Potenzial für den Schienenlückenschluss aus dem Güterverkehrsaufkommen der regionalen verarbeitenden Wirtschaft. In einem von der IHK zu Coburg in 2009 beauftragten Gutachten wurde für den Wirtschaftsraum Coburg und die Region südlich des Rennsteigs ein Güterverkehrspotenzial von jährlich rund 50.000 LKW-Äquivalenten ermittelt.
Bislang müssen regionale Gütertransporte in Richtung der Seehäfen den weiten Umweg über Würzburg nehmen, statt nach Norden über den Lückenschluss zu rollen. Durch diesen könnte die Güterverkehrsstrecke um 100 km verkürzt und dadurch in nicht unerheblichem Umfang Transportkosten gespart werden. Ein Aspekt, der der Wirtschaft in der Region Coburg sowie Südthüringen zugute käme. Zwischen der Kommunalpolitik in Südthüringen und den IHKs in Suhl und Coburg besteht deshalb Konsens, das Thema „Schienenlückenschluss“ gemeinsam voranzutreiben.
Aber auch für die Stadt Coburg würden sich durch die Optimierung des Güterverkehrs gewichtige Vorteile ergeben. Zum einen würden dadurch für Coburg völlig neue Standortbedingungen geschaffen und die Standortattraktivität für gewerbliche
(Neu-)ansiedlungen erhöht. Zum anderen trägt eine durchgängige Schienenverbindung zur Stärkung des Oberzentrums Coburg bei.
Von Vertretern der Coburger Wirtschaft wird aus den genannten Gründen nachdrücklich gefordert die ehemalige Werrabahnstrecke zu reaktivieren, um endlich eine lückenlose und schnelle Schienenverbindung zwischen Südthüringen und Coburg zu schaffen. Die Industrie- und Handelskammer zu Coburg unterstützt diese Forderung nach Kräften.
„Es wäre mit Blick auf die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit unserer Region unverantwortlich den ICE an Coburg vorbei fahren zu lassen und nur in Tagesrandlagen über die Einschleifung den Bahnhof Coburg anzufahren“, resümiert Herdan. „Gleichermaßen kurzsichtig wäre es, auf die Ertüchtigung einer grenzüberschreitenden Schienenverbindung zu verzichten, die nicht nur für den Personen- sondern auch für den Güterverkehr große Bedeutung hat.“
Gerade der letztgenannte Sachverhalt hätte nicht zuletzt den Charme, dass die Finanzierung vom Land weitestgehend auf den Bund übergeht und folglich die aufzubringenden Kosten von Stadt und Landkreis als „marginal“ einzustufen sind. Auch müsse der Schienenlückenschluss als Maßnahme gesehen werden, durch die der ICE-Systemhalt in Coburg nachhaltig gesichert werden kann.
„Wir hoffen, Herrn Dr. Grube mit unseren Argumenten überzeugt zu haben und sind zuversichtlich, dass er entsprechende Signale an die verantwortlichen Stellen nach Berlin sendet“, so Herdans Abschlussstatement.