Der Raum Coburg ist traditionell eine starke Wirtschaftsregion mit hohem Industriebesatz. Mit 184 Industriebeschäftigten pro 1.000 Einwohner nimmt die Stadt Coburg Rang 8 in Bayern ein. Die Schwerpunkte im verarbeitenden Gewerbe liegen insbesondere in der Automobilzulieferindustrie, im Maschinenbau und im Bereich Elektrotechnik. Coburg ist zudem ein starker Finanz- und Versicherungsstandort. Wirtschaftliches Entwicklungspotenzial liegt neben den traditionellen Branchen auch im Design, der Sensortechnologie und in der Elektromobilität.
Die Versorgung der regionalen Wirtschaft mit gut ausgebildeten Fachkräften wird nicht zuletzt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels stärker denn je die Prosperität unseres Wirtschaftsraumes bestimmen. Mittelständisch geprägte Unternehmen benötigen qualifizierte Fachkräfte nicht nur in Forschung und Entwicklung, sondern insbesondere in der Produktion. Hier werden qualifizierte Techniker dringend gesucht. Den Prognosen des IHK-Fachkräftemonitors zu Folge werden in Stadt und Landkreis Coburg im Jahr 2021 ca. 2.600 beruflich Qualifizierte mit technischer Ausbildung fehlen. Der Großteil des Fachkräftebedarfs wird sich in den ansässigen Industrieunternehmen, in den Bereichen Automobiltechnik und Maschinenbau entwickeln.
Damit wir unsere wirtschaftlichen Stärken erhalten und weiter befördern sowie die genannten Zukunftsbranchen weiter entwickeln können, bedarf es geeigneter Strategien und Maßnahmen der Fachkräftesicherung. Zweifelsohne handelt es sich bei den geplanten Ausbildungsrichtungen „Umweltschutztechnik“ und „regenerative Energien“ um wichtige Zukunftsbranchen, allerdings sind beide Schwerpunkte zur Qualifizierung der Fachkräfte in der hiesigen Unternehmenslandschaft wenig nachgefragt. „Die erfolgreiche Etablierung einer Technikerschule am Standort Coburg setzt aus unserer Sicht voraus, die Ausbildungsschwerpunkte gemäß den Innovationspotenzialen ansässiger Industrieunternehmen zu wählen“, betont Herdan.
Die Firma Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG beispielsweise, die mit ihrem Tochterunternehmen Brose SEW die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Antriebs- und Ladesystemen für Elektro- und Hybridfahrzeuge vorantreibt, prädestinieren Coburg zum führenden Entwicklungsstandort im Bereich der Elektromobilität. Komplettiert wird die regionale Fahrzeugtechnikkompetenz durch zahlreiche Zulieferbetriebe wie die dressel prototec GmbH, Martin Metallverarbeitung GmbH, Saint-Gobain IndustrieKeramik Rödental GmbH, Valeo Klimasysteme GmbH und die Wöhner GmbH & Co. KG u.v.a.. Ferner gibt es hohes Entwicklungspotenzial in der Sensortechnik. Mit der Sensaction AG und der BestSens AG haben sich zwei vielversprechende Unternehmen aus dem Institut für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule Coburg ausgegründet. Mit höchster Maschinebaudichte belegt der Wirtschaftsraum Coburg bundesweit einen der vorderen Plätze. Maschinenbauunternehmen wie die HAMUEL Maschinenbau GmbH & Co. KG, die Kaeser Kompressoren GmbH, die Kapp GmbH, die Lasco Umformtechnik GmbH und die Werkzeugmaschinenfabrik Waldrich Coburg GmbH u.v.a. haben Weltgeltung und sind zum Teil Marktführer ihrer Branche. Innovative Unternehmen der Kunststofftechnik wie die Gaudlitz GmbH, die Hermann Koch GmbH, die Ros GmbH & Co. KG und die Sauer GmbH & Co. KG u.v.a. runden das regionale Firmenportfolio ab.
Zur Stärkung der Wirtschaftsregion Coburg im „Kampf um die besten Köpfe“ und nicht zuletzt zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen hat sich die IHK in einem Schreiben an das Bayerische Kulturministerium gewandt mit der Forderung die geplante Technikerschule am Standort Coburg mit auf die Wirtschaftsstruktur zugeschnittenen Ausbildungsschwerpunkten auszustatten. Die regionale Wirtschaft würde es begrüßen, wenn an der geplanten Technikerschule die Ausbildungsschwerpunkte Fahrzeugtechnik, Elektromobilität oder Maschinenbautechnik eingerichtet werden.
„Nur so kann sich aus unserer Sicht diese Bildungseinrichtung als unverzichtbarer Qualifizierungsweg zur Fachkräftesicherung am Wirtschaftsstandort Coburg etablieren“, unterstreicht Herdan die IHK-Forderung.